Die unverfälschte Gemeinschaft. Authentifikationsstrategien einer exklusiven Geselligkeit bei Achim von Arnim und Clemens Brentano

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Lea Liese

Abstract

Um 1800, auch vor dem Hintergrund politischer und medientechnischer Entwicklungen (Einführung eines Pressekontrollsystems unter Napoleon, strenge Zensurmaßnahmen durch die Regierung Stein / Hardenberg einerseits, prosperierender Zeitschriftenmarkt und Bedürfnis nach Demokratisierung und frei zirkulierendem Wissen andererseits), steuern Achim von Arnim und Clemens Brentano als Dichter der Romantik und politische Akteure des antinapoleonischen Widerstandes über
anekdotische Evidenzen und Erzählverfahren in Zeitungsmedien und im geselligen Kontext identitätspolitische Ein- und Ausschlusskriterien. Sie nutzen dabei mediale und narrative Authentifikationsstrategien, indem sie verschiedene Nuancen im Spektrum Wahrheit / Fiktion aufgreifen: authentische Berichte, Geschichten ‚vom Hörensagen‘, Erfundenes, historische Quellen
und zeitgenössische Debatten. Es wird ein Wissen produziert, das – wiederum in die mündlich-performative Zirkulation eingelassen – effektiv Anschlusskommunikation in anderen gesellschaftlichen Teilsystemen findet und sich dort permanent selbst bestätigt sieht, also Beglaubigung erfährt. In den protokollierten Treffen der ‚Deutschen Tischgesellschaft‘ wie auch in den Publikationsorganen (Preußischer Correspondent, Friedensblätter) und literarischen Texten (z. B. Die Schachtel mit der Friedenspuppe) der politischen Romantik formiert sich somit ein Konzept von Geselligkeit, das eine wahre‚ unverfälschte‘ Gemeinschaft stiften soll – unter Ausschluss des Weiblichen, Jüdischen, ‚Ausländischen‘ und ‚Philiströsen‘.

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