Allegorien der Geschichte: Werner Herzogs Lektionen in Finsternis

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Verena Kick

Abstract

Dieser Essay vertritt die Auffassung, dass Werner Herzog Verfallsstationen der Geschichte in Lektionen in Finsternis durch Allegorien, die aus höchst künstlichen Arrangements von Bildelementen bestehen, portraitiert. Herzogs Verständnis von Geschichte als Bewegung, und das Potential der Allegorie geschichtliche Bewegung nicht nur aufzuzeichnen, sondern auch sichtbar zu machen, bildet die Grundlage dieser Untersuchung. Herzogs Allegorien tendieren zu statischen Emblemen auf der Mikroebene und zu allegorischen Montagen auf der Makroebene des Films. Dieses kinematographische Verfahren demontiert schließlich Geschichte in Bezug auf den Menschen und seine Sprache, in Bezug auf die Darstellung von Natur, und damit auch in Bezug auf Raum und Zeit. Zugleich nutzt es die Montage und remontiert Geschichte allegorisch. Somit geht es in diesem semiotischen Fluss um den problematischen Akt historischen Bedeutens. Demnach ergeben sich folgende Fragestellungen: Wie bereichert eine Analyse von Herzogs Allegorien die Möglichkeit seine Geschichtsauffassung zu beschreiben? Wie kann eine allegorische Dimension generell ein historisches Verständnis bereichern? Wie radikal Herzog dies gelingt, entscheidet letztlich darüber, inwieweit seine Filme ästhetischer Ausdruck privater, intellektueller Melancholie sind und inwiefern er eine sinntheoretisch und geschichtsphilosophisch angemessene Signatur für die allegorische Darstellung von Geschichte im Film findet. 

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Author Biography

Verena Kick, University of Washington, Seattle

Ph.D. Candidate

Deparment of Germanics